Darm-Pankreas-Achse

  • Oktober 10, 2026

Die Darm-Pankreas-Achse

Dein Darm kommuniziert mit deiner Bauchspeicheldrüse. Vor allem nach dem Essen sendet dein Darm Hormonsignale an das Pankreas und das Gehirn. Das ermöglicht ein Zusammenspiel, das genauso faszinierend ist wie die Wirkung die es auf deine Gesundheit hat.

Schauen wir uns an, wie das abläuft:

Bevor du den leckeren Happen zu dir nimmst, registriert dein Gehirn Reize: Das kann z.B. durch die Sinneswahrnehmung, vor allem das Riechen und Sehen passieren. Die Reizverarbeitung im Gehirn vermittelt an Nervenzellen bereits die Botschaft, dass womöglich bald gegessen wird. Das Beeindruckende:

Deine Bauchspeicheldrüse bereitet Insulin vor, obwohl du noch gar nicht gegessen hast. Das ist die sogenannte CIP/CIPR (Cephalische-Insulin-Phase + Response, also mit der Ausschüttung von Insulin). Bei einem Großteil der Typ-2-Diabetiker ist dieser Vorgang bereits früh gestört.¹

Als Folge gelangt also Nahrung in den Verdauungstrakt aber die Bauchspeicheldrüse ist nicht, oder unzureichend vorbereitet.²

Gestörte Stoffwechsel-Signalwege bei Diabetes mellitus Typ 2: 

Der Körper erkennt Hungersignale immer als Gefahr für eine Unterversorgung an Energie. Deshalb reagiert das Gehirn einfach gesagt mit einer Stressreaktion. Die an dieser Reaktion beteiligte Stresskaskade wird HPA-Achse genannt. Sie erklärt weshalb die Leber bei Diabetes immer weiter Glukose produziert unabhängig von deinem Essverhalten. 

Hier erfährst du mehr über die HPA-Achse: 

¹ Cephalic Phase Insulin Response (CPIR) – gestört bei Typ‑2‑Diabetes Langhans W. et al., The elusive cephalic phase insulin response: triggers, mechanisms, and functions, Physiol Rev 2022. → Zeigt, dass die frühe, vagal vermittelte Insulinantwort bei T2D abgeschwächt oder fehlend ist.

² Magendehnung → vagale Signale → Ghrelin‑Suppression / frühe Sättigung Pullicin A. & Glendinning J., Cephalic phase insulin release: mechanistic basis and variability in humans, Physiology & Behavior 2021. → Beschreibt die Rolle von mechanosensorischer Magenfüllung, vagaler Aktivierung und hormoneller Vorbereitung (inkl. Ghrelin‑Suppression).

Rezeptoren im Magen

Nehmen wir einmal an du hast etwas gegessen. Nach dem Kauvorgang, gelangt der Speisebrei über die Speiseröhre eine Etage tiefer.

Nahrung gelangt in den Magen und wird von Rezeptoren erfasst. Im Magen haben wir sogenannte Dehnungs‑Rezeptoren: Überraschung! Diese messen, wie stark der Magen gedehnt wird.

Über diese Magendehnung gelangt ein Signal an dein Verdauungssystem das wiederum dem Gehirn mitteilt, dass in deinem Magen Nahrung angekommen ist. In einer Abfolge mehrerer parallel geschalteter Mechanismen wird das Hungerhormon aus dem oberen Magenabschnitt – das Ghrelin – reduziert.³

Ziel: Magen erfasst Nahrung, Hungergefühl wird vermindert, Gehirn erwartet Sättigungssignale z. B. über Leptin bzw. Sättigungsneurone aus dem Darm, z. B. PYY. Leider ist oft auch dieser Mechanismus fehlerhaft.⁴

Einfach gesagt bei Typ-2 Diabetes wird das Hungergefühl nicht wirklich gebremst während Sättigungssignale vom Gehirn nahezu ignoriert werden. 

³ Vagale Magendehnung und Ghrelin‑Suppression Cummings D.E. et al., Ghrelin and the regulation of appetite, Physiol Rev 2022. → Zeigt, dass mechanische Dehnung des Magens über vagale Afferenzen die Ghrelin‑Sekretion hemmt und frühe Sättigungssignale auslöst.

⁴ Gestörte Sättigungssignal‑Verarbeitung bei Typ‑2‑Diabetes Berthoud H.R. & Münzberg H., Neural control of appetite: hypothalamic dysfunction in obesity and diabetes, Nat Rev Endocrinol 2021. → Belegt, dass bei Typ‑2‑Diabetes die Hypothalamus‑Antwort auf periphere Sättigungssignale (Leptin, PYY, GLP‑1) abgeschwächt ist, wodurch Hunger bestehen bleibt.

Du bist nicht faul, dein Hormonsystem bremst dich aus!

Das erklärt also: Du bist nicht Schuld, es ist nicht dein innerer Schweinehund, es ist dein Hormonsystem - Basta!

Wir könnten hier noch weitergehen. Wenn das Gehirn auf Sättigung nicht reagiert und Hunger evolutionsbedingt stärker wahrnimmt, was glaubst du passiert?. Richtig, Heißhunger, Lust auf Süßigkeiten, Zucker...Kohlenhydrate - und am Ende haben wir hochkalorische Nahrung aufgenommen, die uns in ein ordentliches Kalorienplus katapultiert. 

Nur lass uns das ein anderes mal genauer anschauen und beim Thema bleiben: 

Sicher, du fragst dich jetzt:

"Wenn die Regulation zwischen Hunger- und Sättigungssignalen so durcheinander gerät, was kann ich dann tun um das wieder zu normalisieren?" 

Inkretin-System verstehen 


Paul Glaisner
Diätassistent | DGE Ernährungsberater

Paul schreibt über die Mechanismen hinter Diabetes – ehrlich, direkt und motivierend. Er will, dass du nicht nur Werte kennst, sondern verstehst, was sie bedeuten. Wissen ist der erste Schritt zur Veränderung.

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