Insulin verstehen

  • Juni 21, 2026

Es gibt ein Hormon, welches gerade bei Diabetes oft missverstanden wird – Insulin. In diesem Artikel erhältst du eine stark vereinfachte Übersicht über die wichtigsten Wirkprinzipien von Insulin. Das Ziel – Insulin verstehen.

Insulin ist das Energie-Management-Hormon deines Körpers. Im Gehirn funktioniert Insulin als Signal, welches den Kontrollzentren vereinfacht gesagt mitteilt, wie viel Energie im restlichen Körper vorhanden ist. Die Wirkungsweise von Insulin variiert sehr stark. Zum einen gibt es Hormone welche die Insulin-Wirkung (Insulin-Kaskade) verlangsamen oder unterbrechen können. Auf der anderen Seite wird die Insulinresistenz vor allem an der Leber und dem Gehirn auffällig. Wäre das nicht genug, kommt noch hinzu, dass Insulin im Gehirn völlig anders funktioniert als an der Leber und anderen Körperzellen wie z.b. Muskel- und Fettzellen. (s.U.)

Für besonders interessierte: Insulin besteht aus vielen Aminosäuren ist also sozusagen eine Kette aus Aminosäuren (Polypeptidkette). Aus diesem Grund, kann es oral nicht ohne weiteres z.B. als Tablette eingenommen werden, da es von Magensäure und Enzymen zerstört werden würde. Trotz dieser Tatsache ist die Forschung aber dahinter, Orale Insulinpräparate weiterzuentwickeln und weiter daran zu forschen.

Was macht Insulin im Körper?

Insulin verstehen, heißt sich damit auseinanderzusetzen, wo Insulin gebildet wird und wie es wirkt. Das schafft die Voraussetzung dann anschließend nachvollziehen zu können wie der, ich nenne den Prozess einmal Insulin-Regelkreis, funktioniert.

  • Insulin wird von speziellen Zellen im Pankreas gebildet (Beta-Zellen)
  • Es wird glukoseabhängig ins Blut abgegeben, und gelangt über die Pfortader zur Leber
  • Die Leber bekommt über Insulin das Signal Fette aufzubauen, (Energie zu speichern) und die Neubildung von Zucker (Glukoneogenese) zu verringern.

Insulin senkt den Blutzucker

Insulin wird glukoseabhängig, von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet. . Beta Zellen sind die einzigen Zellen, welche Insulin bilden, und ins Blut abgeben. Anschließend gelangt das Hormon dann über die Pfortader zur Leber (1. Wirkort).

Abb. 1. Insulin gelangt über die Pfortader zur Leber

Beta Zellen haben aber darüber hinaus eine weitere wichtige Aufgabe. Sie messen den Glukosebestand im Blut. Fungieren also als dein körpereigener Blutzuckersensor (CGM).

Abb. 2. Die Bauchspeicheldrüse misst mittels Beta-Zellen den Glukosebestand im Blut

Jetzt ist noch spannend zu wissen: Beta-Zellen kommunizieren auch miteinander. Es ist zwar vereinfacht ausgedrückt, aber du kannst dir die Beta-Zellen wie ein Netzwerk aus spezialisierten Zellen vorstellen, die ihre Signale untereinander abstimmen. Dadurch können sie die Insulinausschüttung koordiniert regulieren.

Insulin wirkt nicht an jeder Körperzelle gleich

Insulin wirkt nicht an jeder Körperzelle gleich, weil die verschiedenen Gewebe unterschiedliche Insulinrezeptoren und unterschiedliche Stoffwechselaufgaben haben.

Während Insulin beispielsweise in der Leber stark beeinflusst, wie Energie gespeichert oder freigesetzt wird, wirkt es in Muskelzellen vor allem auf die Aufnahme und Nutzung von Glukose.

Im Gehirn wirkt Insulin wie ein Statussignal. Hirnzellen benötigen für die Glukoseaufnahme kein Insulin. Allerdings benötigt Insulin einen Transporter um die Blut-Hirn-Schranke zu passieren. Dies Blut-Hirn-Schranke stellt eine Barriere da, mit deren Hilfe sich das Gehirn vor schädlichen Substanzen schützt.

Allerdings gelangt Insulin über spezielle Transportmechanismen durch die Blut-Hirn-Schranke. Bei Typ 2 Diabetes haben mehrere Studien gezeigt, dass die Effizienz dieser Mechanismen abnimmt. In der Forschung gehen wir davon aus, dass hohe Insulinwerte im Körper dazu führen, dass auch der Transportweg von Insulin ins Gehirn einfach gesagt – insulinresistent wird.

Insulin verstehen – Abhängigkeit von Tageszeiten

Die Insulinwirkung wird durch viele Faktoren beeinflusst. Morgens ist die Insulinempfindlichkeit häufig reduziert, wodurch der Körper weniger stark auf Insulin reagiert. Ein wichtiger Grund dafür ist die erhöhte Glukosebereitstellung der Leber durch die Glukoneogenese. Gleichzeitig spielen Hormone wie Cortisol eine Rolle. Cortisol kann die Insulinempfindlichkeit senken und dadurch indirekt zu einem Anstieg des Blutzuckers beitragen.

Im Tagesverlauf verändert sich die Insulinempfindlichkeit. Bei vielen Menschen ist sie in den Morgenstunden reduziert und verbessert sich im weiteren Tagesverlauf, wodurch Kohlenhydrate zu bestimmten Zeiten anders verarbeitet werden können.

Dabei spielt nicht nur die Menge der Kohlenhydrate eine Rolle, sondern auch deren Qualität und Verarbeitung. Vollkorngetreide, Gemüse und Hülsenfrüchte enthalten neben Kohlenhydraten auch Ballaststoffe, die den Blutzuckeranstieg verlangsamen können.

Besonders bei größeren Mahlzeiten lohnt es sich, auf ausreichend Ballaststoffe zu achten. Diese finden sich beispielsweise in Gemüse, Salat, Getreide, Samen und Nüssen. Bestimmte Ballaststoffe können die Magenentleerung verlangsamen und dadurch die Glukoseaufnahme beeinflussen. Zusätzlich unterstützen Ballaststoffe ein gesundes Darmmikrobiom.

Insulin verstehen – häufigste Fragen

Warum ist Insulin bei Diabetes so wichtig?

Bei Diabetes funktioniert die Insulinsteuerung nicht mehr optimal. Bei Typ-1-Diabetes fehlt Insulin weitgehend, bei Typ-2-Diabetes reagiert der Körper oft schlechter darauf (Insulinresistenz) oder die Insulinproduktion kann mit der Zeit nachlassen.

Senkt Insulin immer den Blutzucker?

Im klassischen Verständnis: ja, Insulin senkt den Blutzucker. Gleichzeitig ist Insulin aber viel mehr als ein „Blutzuckersenker“ – es steuert auch Energiespeicherung, Fettstoffwechsel und andere Stoffwechselprozesse.

Was bedeutet Insulinresistenz?

Insulinresistenz bedeutet, dass Körperzellen schwächer auf Insulin reagieren. Der Körper versucht dies zunächst auszugleichen, indem er mehr Insulin bereitstellt. Der gesamte Mechanismus ist aber stark hormonabhängig und je nachdem wie lange die Diabetes-Erkrankung besteht.

Macht Insulin dick?

Insulin fördert grundsätzlich Speicherung von Energie – unter anderem auch Fettaufbau. Gewichtszunahme entsteht aber durch das gesamte Zusammenspiel aus Energiezufuhr, Verbrauch, Hormonen, Stoffwechsel und Lebensstil.

Kann man Insulinresistenz verbessern?

Ja, die Insulinempfindlichkeit kann sich verändern. Bewegung, Muskelaktivität, Schlafqualität, Ernährung und Gewichtsveränderungen können dabei eine Rolle spielen.

Kann man ohne Kohlenhydrate Insulin vermeiden?

Nein. Insulin wird nicht nur durch Kohlenhydrate beeinflusst. Auch andere Nährstoffe und körpereigene Prozesse können die Insulinausschüttung beeinflussen.


Paul Glaisner
Diätassistent | DGE Ernährungsberater

Paul schreibt über die Mechanismen hinter Diabetes – ehrlich, direkt und motivierend. Er will, dass du nicht nur Werte kennst, sondern verstehst, was sie bedeuten. Wissen ist der erste Schritt zur Veränderung.

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